Die „neue Arbeitswelt“ gehört momentan zu den Buzzwords schlechthin. Die Pandemie hat ihr Übriges daran getan, dass sich unter die altbekannten Arbeitszeitmodelle neue und innovative mischen. Kurz: Die aktuelle Arbeitswelt ist ein Potpourri aus alten und neuen Arbeitsmodellen. Wir haben uns die aktuelle Situation näher angesehen – was war, was ist und was zählt letztendlich?

Nine-to-five und Schicht im Schacht

Um 9 Uhr morgens beginnt der Bürotag mit dem Starten der Arbeitszeiterfassung, um 12 Uhr ist Mittagspause und Ende um 17 Uhr, wenn der PC heruntergefahren wird. Dann ist Feierabend angesagt. Was fast schon steif und antiquiert klingt, angesichts der hohen Flexibilität, welche seit Corona überall gefordert wird, hat auch Vorteile. Ein routinierter, fester Arbeitstag ist für viele Arbeitnehmer notwendig – beispielsweise für Mitarbeiter mit Kindern.

Was erst einmal absurd klingt, weil doch gerade Eltern förmlich nach flexiblen Arbeitszeiten schreien, ist bei näherer Betrachtung gar nicht unlogisch. Die Kinder bestimmen den Tagesablauf. Daher brauchen Eltern verlässliche Zeiten, zu denen sie für Chef und Kollegen zur Verfügung stehen. Der Alltag lässt sich viel effizienter planen, wenn die Arbeitszeit fest geregelt ist – auch, wenn es sich dabei um eine Teilzeitstelle handelt.

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Darüber hinaus haben aber auch Arbeitnehmer ohne Kinder ein Bedürfnis nach Sicherheit sowie festen Strukturen und schätzen feste Arbeitszeiten. Sicherlich ist dies eine Frage der individuellen Persönlichkeit, aber der routinierte Büroalltag ist definitiv nicht tot und hat auch in Zeiten von geforderter Flexibilität seine Daseinsberechtigung.

Bei fest geregelten Arbeitszeiten muss allerdings gelten: Wenn die Feierabendstunde eingeläutet wurde, ist der Arbeitstag zu Ende. Was danach folgt, sollte nichts mehr mit dem Büro zu tun haben. Schließlich ist das Soll an erbrachter Arbeit erfüllt und die Mitarbeiter dürfen in Ruhe abschalten.

Vertrauensarbeitszeit unter EuGH Urteil – unmöglich?

Noch ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Arbeitszeiterfassung nicht in der Praxis angekommen. Wie der Rückschritt zur steifen Bürokratie letztendlich aussehen wird, steht im Detail noch in den Sternen. Wenn die akribische Arbeitszeiterfassung flächendeckend Einzug gehalten hat, ist Vertrauensarbeitszeit nicht mehr möglich? Doch, wenn man etwas flexibel an die Sache herangeht.

Bereits 2018 gaben 45 Prozent der Arbeitnehmer im Rahmen der Studie Randstad Employer Brand Research an, selbstbestimmt arbeiten zu wollen – ohne strenge Kontrollen. Ein probater Mittelweg ist daher die Zeiterfassung per App. Die starre Stempeluhr, die Anfang und Ende des Arbeitstages erfasst, hat nun wirklich ausgedient. Urteil hin oder her. Mit moderner Software können Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit entspannt und selbstbestimmt tracken. Hier wird die Erfassung gestartet, wenn an einer Aufgabe gearbeitet und gestoppt, wenn eine Pause eingelegt wird. Ganz individuell.

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Was hinter dem Vertrauenskonzept steckt, liegt klar auf der Hand: flache Hierarchien und ein souveränes Arbeiten, das den individuellen Bedürfnissen der Arbeitnehmer angepasst ist. Freiraum und Vertrauen schaffen generell mehr Zufriedenheit und ein positives Image. So lässt sich die Arbeitszeit optimal in den persönlichen Alltag integrieren. Und dieser sieht nun mal von Mitarbeiter zu Mitarbeiter verschieden aus.

Homeoffice: Arbeit ist, was man tut, nicht, wohin man geht

Unabhängig von der Arbeitszeiterfassung hat das Homeoffice seit dem ersten Lockdown seinen Siegeszug in der Arbeitswelt angetreten. Moderne Technik macht es möglich, dass in den eigenen vier Wänden genauso effizient gearbeitet werden kann, wie im Büro – zumindest dann, wenn keine großen Ablenkungen im trauten Heim von der Arbeit abhalten.

Getreu dem Motto „Work is what you do, not where you go“ wird der klassische Büroraum zur Sinnfrage. Wenn im Zuhause gut und gerne gearbeitet wird, entfallen erhebliche Kosten für den Arbeitgeber – angefangen bei der reinen Miete bis hin zu Nebenkosten, Verköstigung etc. Allerdings muss auf Unternehmensseite bedacht werden, dass der Mitarbeiter Unterstützung bei der Einrichtung seines Homeoffices fordern kann und darf – in Form von technischer Ausstattung sowie deren Wartung, Reparatur und Pflege.

Für Arbeitnehmer hat das Homeoffice den Vorteil, den Alltag flexibel gestalten zu können. Manch einer freut sich, dass er direkt vom Bett an den Schreibtisch wechseln kann. Der zeitfressende Weg zur Arbeit entfällt, was auch Spritkosten senkt und Nerven schont.

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Was hier überrascht: Im Homeoffice arbeiten viele Mitarbeiter freiwillig mehr als sie es im Büro tun würden. Die Gründe dafür sind verschieden. Zum einen liegt es sicherlich am privaten und sehr vertrauten Umfeld. Die Arbeit hält Einzug ins positiv konnotierte intime Umfeld, wodurch die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit verschwimmen. Zum anderen werden im Homeoffice deutlich mehr Pausen eingelegt, um nebenbei alltägliche Haushaltsdinge zu erledigen, die sonst in der 40-Stunden-Bürowoche gerne einmal liegen bleiben. Durch solche Pausen verlängert sich die Arbeitszeit automatisch; der Mitarbeiter hingegen ist ausgeglichener.

So viele Vorteile das Homeoffice auch bietet, es gibt einen erheblichen Nachteil, weshalb manche Mitarbeiter die Präsenz im Büro eindeutig vorziehen: der soziale Aspekt. Denn Arbeiten erfüllt unser Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Interaktion und Kommunikation. Im Büro gelingt dies leicht, im Homeoffice nicht. Zwar sind Zoom, Skype und Co. probate Mittel, um mit den Kollegen in den Austausch und Diskurs zu gehen – aber sie erfüllen die tiefverwurzelten Bedürfnisse nach sozialer Interaktion nicht zur Genüge. Hier sollten regelmäßige Treffen angeboten werden, damit der echte Kontakt zu den lieben Kollegen nicht abreißt; beispielsweise in Form von Team-Events.

Unterm Strich: Ergebnisse zählen, nicht Präsenz

Grundsätzlich sollte sich die neue Arbeitswelt von dem Präsenzgedanken verabschieden. Es hat einen grotesken Beigeschmack, dass noch vor wenigen Jahrzehnten die Mentalität vorherrschte, den Mitarbeiter stets kontrollieren zu wollen à la: Sitzt der werte Angestellte auch wirklich acht Stunden an seinem Schreibtisch und arbeitet fleißig?

Die Ergebnisse zählen, nicht die Präsenz. Wenn die Arbeit Früchte trägt und Mitarbeiter gerne arbeiten, dann ist es doch letztendlich vollkommen egal, wo und wie gearbeitet wird. Denn: Angestellter ist nicht gleich Angestellter. Unter dem Aspekt der Menschlichkeit muss jeder Arbeitnehmer als eigenständige Persönlichkeit mit ganz eigenen Bedürfnissen betrachtet werden. Während der eine zur Topform aufläuft, wenn er sich morgens um 8 Uhr im Büro einstempelt, erlebt der andere sein kreatives Hoch am heimischen Schreibtisch mit individuellen Pausen.

Als Fazit lässt sich klar festhalten: Die Pandemie hat zu einer kleinen Revolution in der Arbeitswelt geführt. Flexibilität ist der Schlüssel. Arbeitgeber stehen dabei vor der großen Chance, mit flexiblen Arbeitsmodellen Mitarbeiter dauerhaft glücklich zu machen, zu binden und den Unternehmenserfolg langfristig aufrechtzuerhalten.

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